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Trump in China: Ein roter Teppich und eine Botschaft an alle Chinesen

May 14, 2026  Twila Rosenbaum  5 views
Trump in China: Ein roter Teppich und eine Botschaft an alle Chinesen

Mit der Landung der Air Force One um exakt 19:53 Uhr Ortszeit in Peking beginnt ein neues Kapitel der chinesisch-amerikanischen Freundschaft. So jedenfalls die Lesart, die Pekings Choreografie an diesem Abend nahelegen soll. Roter Teppich, Ehrengarde, Militärkapelle, Hunderte junge Chinesen in blau-weißen Uniformen mit Fähnchen beider Länder. Der Flughafen ist hell ausgeleuchtet, entlang der Stadtautobahn ins Zentrum wehen die Flaggen Chinas und der Vereinigten Staaten.

Dann tritt Donald Trump aus dem Flugzeug, steigt langsam die Gangway hinab, am Fuß der Treppe empfängt ihn Chinas Vizepräsident Han Zheng. Die beiden Männer schütteln sich die Hände, dann überreicht ein Mädchen im roten Kleid einen Blumenstrauß. Trump lächelt, wendet sich Han zu, die beiden gehen nebeneinander den Teppich entlang. Am Ende wartet „The Beast“, die eigens für den Besuch eingeflogene gepanzerte Limousine des US-Präsidenten. „Das wird eine aufregende Reise“, hatte Trump vor dem Abflug gesagt. „Es werden viele gute Dinge passieren.“

Inszenierung der Stärke: Sicherheit und Symbolik

Dass es in Peking an diesem Abend nicht nur um Freundschaft geht, lässt sich schon anhand der Sicherheitsvorkehrungen erahnen. Rund um die Hotels der amerikanischen Delegation sind Straßen gesperrt, Absperrgitter gezogen, Polizisten postiert. Vor Einfahrten stehen Polizeifahrzeuge, an zahlreichen Kreuzungen in Peking leiten Sicherheitskräfte den Verkehr um. Auch am Himmelstempel, den Trump am Donnerstag besuchen soll, wurden die Vorkehrungen verschärft. Die Botschaft ist dieselbe wie auf dem Rollfeld, nur in einer anderen Sprache: Peking kontrolliert diesen Besuch bis ins Detail.

Neun Jahre lang hat kein US-Präsident chinesischen Boden betreten, jetzt ist es wieder Trump. Schon bei seinem ersten Besuch 2017 wurde er mit allen Ehren empfangen, damals führte ihn Xi Jinping durch die Verbotene Stadt. Diesmal sehen sich beide am Donnerstagmorgen in der Großen Halle des Volkes wieder. Dann beginnt der eigentliche Gipfel. Drei Tage Pekinger Choreografie, mit Gesprächen, Bankett und einem Abstecher zum Himmelstempel.

Es geht um vieles auf einmal: den Krieg in Iran und die blockierte Straße von Hormus, Zölle und Handel, Taiwan, Halbleiter, künstliche Intelligenz und Seltene Erden. Trump hat eine illustre Wirtschaftsdelegation mitgebracht: unter anderem Elon Musk, Apple-Chef Tim Cook, Nvidia-Chef Jensen Huang und Blackrock-Chef Larry Fink. Auch Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth sind mit an Bord.

Die Botschaft an die chinesische Bevölkerung

Hunderttausende Chinesen verfolgten die Landung in Echtzeit über Livestreams im Internet. Wer kommentieren konnte, schrieb meist dasselbe: „Unser Land ist stark!“ Pekings Choreografie hat besonders zu Hause ihr Publikum gefunden – denn sie soll nicht zuletzt ans eigene Land die Botschaft senden, dass man den USA auf Augenhöhe begegnet.

Die Inszenierung des Besuchs ist ein Meisterwerk der politischen Symbolik. Der rote Teppich, die Ehrengarde, die Militärkapelle – all dies sind Elemente, die in der chinesischen Kultur tief verwurzelt sind. Rot gilt als Farbe des Glücks und der Macht, und die sorgfältige Choreografie unterstreicht den Anspruch Chinas, als gleichberechtigte Großmacht auf der Weltbühne aufzutreten. Indem China den US-Präsidenten mit solch einem Pomp empfängt, signalisiert es nicht nur Freundschaft, sondern auch Selbstbewusstsein und Kontrolle.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind beispiellos. Neben den Straßensperrungen wurden auch Drohnenverbote über zentralen Orten verhängt, und die Polizei setzt modernste Überwachungstechnologie ein. Dies dient nicht nur dem Schutz Trumps, sondern auch der Demonstration, dass Peking in der Lage ist, jede Situation zu kontrollieren. Die Botschaft an die chinesische Bevölkerung ist klar: Die Regierung hat die Lage im Griff und kann sich auf der internationalen Bühne behaupten.

Historischer Kontext: Neun Jahre Pause

Der letzte Besuch eines US-Präsidenten in China liegt neun Jahre zurück. Damals, im Jahr 2016, reiste Barack Obama nach Peking, um an einem Gipfel der Gruppe der 20 (G20) teilzunehmen. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Supermächten dramatisch verändert. Handelskriege, Technologiekonflikte und geopolitische Spannungen haben das Verhältnis belastet. Trumps erster Besuch 2017 war noch von einer gewissen Euphorie geprägt, doch die Zeiten sind rauer geworden.

Die Entscheidung Chinas, Trump erneut mit großem Zeremoniell zu empfangen, ist strategisch klug. Peking möchte vermitteln, dass es trotz aller Differenzen bereit ist, auf höchster Ebene zu verhandeln. Gleichzeitig wird der Besuch genutzt, um die eigene Bevölkerung zu mobilisieren und nationale Stolz zu schüren. Die Kommentare in den sozialen Medien spiegeln dies wider: Viele Chinesen sehen den Besuch als Bestätigung der wachsenden internationalen Stellung ihres Landes.

Wirtschaftliche Dimension: Hochkarätige Delegation

Die Wirtschaftsdelegation, die Trump mitgebracht hat, liest sich wie ein Who-is-Who der amerikanischen Tech- und Finanzwelt. Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX, ist bekannt für seine engen Beziehungen zu China. Tesla betreibt eine riesige Fabrik in Shanghai, die einen Großteil der weltweiten Produktion des Unternehmens ausmacht. Tim Cook von Apple ist ebenfalls ein wichtiger Partner Chinas: Apple produziert einen Großteil seiner iPhones und anderer Geräte in chinesischen Fabriken. Jensen Huang von Nvidia ist besonders relevant, da Nvidia-Chips für die Entwicklung künstlicher Intelligenz unverzichtbar sind – ein Bereich, in dem China schnell aufholen möchte.

Die Anwesenheit dieser Bosse unterstreicht die wirtschaftliche Verflechtung beider Länder. Trotz der politischen Spannungen sind die Handelsbeziehungen nach wie vor enorm. Im Jahr 2024 betrug das bilaterale Handelsvolumen über 600 Milliarden US-Dollar. China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für amerikanische Technologieprodukte, und umgekehrt ist die USA ein wichtiger Kunde chinesischer Waren. Die Verhandlungen in Peking werden sich daher nicht nur auf politische Themen konzentrieren, sondern auch konkrete wirtschaftliche Vereinbarungen anstreben.

Besonders im Bereich der künstlichen Intelligenz gibt es großen Gesprächsbedarf. Die USA haben Exportkontrollen für KI-Chips nach China verhängt, um den technologischen Vorsprung zu wahren. China hingegen investiert massiv in eigene KI-Entwicklungen und versucht, die Abhängigkeit von amerikanischen Komponenten zu reduzieren. In diesem Spannungsfeld könnte Trumps Besuch neue Kompromisse oder zumindest einen Dialog ermöglichen.

Geopolitische Themen: Iran, Taiwan und mehr

Neben der Wirtschaft spielen auch geopolitische Fragen eine zentrale Rolle. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Seewege für den globalen Öltransport. Der anhaltende Konflikt im Iran hat zu Blockaden geführt, die die Energieversorgung gefährden. China als größter Ölimporteur der Welt ist hier besonders betroffen. Trump könnte versuchen, China zu einer härteren Haltung gegenüber Iran zu bewegen, während Peking eher auf diplomatische Lösungen setzt.

Taiwan bleibt eines der heikelsten Themen. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und lehnt jede Form von offiziellen Kontakten zwischen den USA und Taiwan ab. Trump hat in der Vergangenheit ambivalente Signale gesendet – mal hat er die traditionelle „Ein-China-Politik“ in Frage gestellt, mal sie bekräftigt. In Peking wird erwartet, dass Xi Jinping in dieser Frage klare rote Linien zieht. Ein möglicher Treuebruch könnte zu schweren Verwerfungen führen.

Die Seltenen Erden sind ein weiteres strategisches Thema. China kontrolliert den Großteil der weltweiten Produktion dieser für Hochtechnologie unverzichtbaren Rohstoffe. Die USA versuchen, ihre Abhängigkeit zu verringern, doch bislang gibt es kaum Alternativen. In den Gesprächen könnte es um Liefergarantien oder gemeinsame Projekte zur Förderung von Seltenen Erden außerhalb Chinas gehen.

Die Verhandlungen werden auch den Krieg in Iran betreffen, der die gesamte Region destabilisiert. China hat sich in der Vergangenheit als Vermittler angeboten, aber auch enge wirtschaftliche Beziehungen zum Iran unterhalten. Trump könnte Druck ausüben, damit China seine Ölimporte aus dem Iran reduziert und sich stärker an Sanktionen beteiligt. Ob Peking darauf eingehen wird, ist fraglich – denn China verfolgt eine pragmatische Außenpolitik, die vor allem den eigenen Interessen dient.

Insgesamt steht der Besuch unter dem Zeichen der Machtprobe und des gegenseitigen Respekts. Die Choreografie ist sorgfältig inszeniert, die Sicherheitsmaßnahmen sind extrem, und die Themenpalette ist breit. Am Ende wird sich zeigen, ob die beiden Präsidenten konkrete Ergebnisse erzielen können oder ob die Differenzen zu groß sind. Die Welt schaut nach Peking.


Source: Süddeutsche.de News


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