Einleitung
Joseph Robinette Biden Jr., bekannt als Joe Biden, hat einen langen und oft schwierigen Weg an die Spitze der internationalen Politik zurückgelegt. Als 46. Präsident der Vereinigten Staaten steht er seit dem 20. Januar 2021 an der Spitze der weltweit mächtigsten Nation. Sein Leben ist geprägt von politischen Triumphen, persönlichen Tragödien und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, nach jedem Sturz wieder aufzustehen.
Frühe Jahre und Ausbildung
Joe Biden wurde am 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania, als ältestes von vier Kindern von Joseph Robinette Biden Sr., einem Gebrauchtwagenhändler, und Catherine Eugenia „Jean“ Finnegan geboren. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen im Rust Belt, der alten Industrieregion der USA. Schon früh lernte Biden den Wert harter Arbeit – in seiner Schulzeit verdiente er sich durch Fensterputzen und Rasenmähen etwas Taschengeld dazu.
Später zog die Familie nach Delaware, wo Biden die Archmere Academy besuchte. Nach dem Schulabschluss studierte er Geschichte und Politikwissenschaft an der University of Delaware, gefolgt von einem Jurastudium an der Syracuse University in New York, das er 1968 mit einem Juris Doctor abschloss. Nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt begann er in den späten 1960er Jahren zu praktizieren und wurde gleichzeitig politisch aktiv. Inspiriert von Präsident John F. Kennedy, trat Biden der Demokratischen Partei bei.
Der Aufstieg in die Politik
1970 wurde Joe Biden in den Stadtrat des New Castle County gewählt. Nur zwei Jahre später, 1972, wagte er den überraschenden Schritt, für den Senat der Vereinigten Staaten in Delaware zu kandidieren. Gegen den favorisierten Amtsinhaber J. Caleb Boggs gewann Biden knapp und wurde mit 30 Jahren zum fünftjüngsten Senator in der Geschichte der USA. Sein Amt trat er am 3. Januar 1973 an. Doch dieser Moment des Triumphs wurde bald von einer persönlichen Tragödie überschattet.
Die Tragödie von 1972
Nur wenige Wochen nach seinem Wahlsieg, im Dezember 1972, ereignete sich ein schrecklicher Unfall. Joe Bidens erste Frau Neilia Hunter und ihre gemeinsame Tochter Naomi kamen bei einem Autounfall mit einem Sattelschlepper ums Leben. Die beiden Söhne Beau und Hunter überlebten schwer verletzt. Biden legte seinen Amtseid als Senator am Krankenbett seiner Söhne ab, während er selbst noch tief in der Trauer steckte. Diese Erfahrung stürzte den gläubigen Katholiken in eine tiefe Glaubenskrise. Jahre später sagte er: „Ich hatte das Gefühl, dass Gott mir einen schlechten Streich gespielt habe.“
Neue Liebe und weitere politische Karriere
Nach Jahren der Trauer fand Joe Biden durch ein von seinem Bruder arrangiertes Blind Date die Liebe wieder. Er lernte Jill Tracy Jacobs kennen, eine Lehrerin, die er 1977 heiratete. 1981 kam die gemeinsame Tochter Ashley zur Welt. Mit neuer Kraft verfolgte Biden seine politische Laufbahn weiter. Er wurde zu einem einflussreichen Senator, der sich insbesondere mit Außen- und Sicherheitspolitik einen Namen machte.
Erste Versuche, US-Präsident zu werden, scheiterten jedoch. 1988 stieg er nach Plagiatsvorwürfen aus dem Wahlkampf aus. 2008 scheiterte er bereits in den Vorwahlen. Doch dann holte Barack Obama ihn als Vizepräsidentschaftskandidaten ins Boot – eine Entscheidung, die Bidens Karriere neuen Schwung verlieh.
Vizepräsident unter Barack Obama (2009–2017)
Joe Biden diente acht Jahre lang als Vizepräsident der USA unter Barack Obama. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Umsetzung der Gesundheitsreform „Obamacare“ beteiligt und spielte eine Schlüsselrolle in der Bewältigung der Finanzkrise 2008. Biden genoss hohe Beliebtheitswerte, auch innerhalb der Partei. Sein persönliches Verhältnis zu Obama war von Freundschaft und gegenseitigem Respekt geprägt. Obama überreichte Biden 2017 überraschend die Presidential Medal of Freedom with Distinction.
Erneuter Schicksalsschlag und Präsidentschaft
2015 erlitt Joe Biden einen weiteren schweren Schicksalsschlag: Sein ältester Sohn Beau starb im Alter von 46 Jahren an einem Gehirntumor. Biden war am Boden zerstört, gab jedoch nicht auf. 2019 kündigte er seine dritte Kandidatur für die Präsidentschaft an. In einer hart umkämpften Wahl 2020 besiegte er den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump. Mit der Vereidigung am 20. Januar 2021 – im Alter von 78 Jahren – wurde er der älteste Präsident in der Geschichte der USA. Seine Vizepräsidentin Kamala Harris ist die erste Frau und erste Afroamerikanerin in diesem Amt.
Präsidentschaft und aktuelle Herausforderungen
Bidens Präsidentschaft war geprägt von großen Herausforderungen: der COVID-19-Pandemie, dem wirtschaftlichen Wiederaufbau, dem Klimawandel und der Ukraine-Krise. Er verabschiedete ein massives Infrastrukturpaket und Reformen. 2024 gab er jedoch überraschend seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt, was in der politischen Welt hohe Wellen schlug. Seitdem hat er sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen.
Im Februar 2025 wurde bekannt, dass Joe Biden an Prostatakrebs erkrankt ist und eine Strahlentherapie erhalten hat. Die Nachricht schockierte die Welt. Trotz seines Zustands zeigte sich Biden optimistisch und teilte ein lächelndes Selfie auf X (Twitter). Er erhält Unterstützung von Persönlichkeiten wie König Charles III., der ihm einen privaten Brief schrieb. Auch politische Gegner wie Donald Trump wünschten ihm eine schnelle Genesung. Biden hat nun seine Behandlung abgeschlossen und zeigte sich zuletzt bei einer Trauerfeier für Ex-Vizepräsident Dick Cheney – ein seltener öffentlicher Auftritt, bei dem er von Ehefrau Jill begleitet wurde. Es bleibt abzuwarten, wie es mit dem ehemaligen Präsidenten weitergeht, doch seine Familie steht fest an seiner Seite.
Source: gala.de News