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Elton John über sein neues Album: „Es ist so anders als alles, was ich je gemacht habe“

May 28, 2026  Twila Rosenbaum  5 views
Elton John über sein neues Album: „Es ist so anders als alles, was ich je gemacht habe“

Elton John, eine der prägendsten Figuren der Popmusik, hat in Toronto den renommierten Glenn Gould Prize entgegengenommen. Bei der Galaveranstaltung im Theatre at Great Canadian Casino Resort sprach der 79-jährige Musiker erstmals ausführlich über sein neues Album – und über die ungewöhnlichen Umstände seiner Entstehung.

Ein neuer Ansatz nach gesundheitlichen Rückschlägen

Im Sommer 2024 zog sich Elton John eine schwere Augeninfektion zu, die zu einem erheblichen Sehverlust führte. „Ich konnte nichts sehen, nichts anschauen, nichts lesen“, sagte er in einem späteren Interview mit Variety. Für einen Künstler, der jahrzehntelang nach dem Prinzip gearbeitet hatte, Texte zu lesen und dann Musik dazu zu schreiben, bedeutete dies eine existenzielle Krise. „Ich mache Platten immer so, dass ich auf Texte schaue und zur Lyrik schreibe – und das geht gerade irgendwie nicht mehr“, erklärte er in Toronto.

Doch Elton John, der mehr als 30 Studioalben veröffentlicht hat, ließ sich nicht unterkriegen. Stattdessen nutzte er die Einschränkung als kreative Chance. „Was mir mein Auge beschert hat, ist die Chance, mit 80 Jahren meine Art zu schreiben komplett umzukehren. Ich schreibe jetzt zuerst die Melodien, und die Texte kommen danach. Das habe ich noch nie gemacht. Und ich habe es gerade getan“, sagte er sichtlich bewegt.

Das Ergebnis dieser neuen Arbeitsweise ist ein Album, das er als „so gut gelaunt“ und „so glücklich“ beschreibt. „Ich habe gerade ein Album fertiggestellt, das sich von allem, was ich je gemacht habe, grundlegend unterscheidet“, fügte er hinzu. „Ich bin so begeistert davon, weil es mir eine weitere Chance gegeben hat, Musik zu machen.“

Der Glenn Gould Prize: Eine Auszeichnung für das Lebenswerk

Der Glenn Gould Prize wird alle zwei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die „durch die Künste einen einzigartigen, lebenslangen Beitrag zur Bereicherung des menschlichen Daseins geleistet haben“. Frühere Preisträger sind unter anderem Leonard Cohen, Jessye Norman und Yo-Yo Ma. Die Auszeichnung ist mit 100.000 Dollar dotiert – eine Summe, die Elton John umgehend an die Glenn Gould Foundation zurückgab.

Zudem durfte er den Glenn Gould Protégé Prize in Höhe von 25.000 Dollar vergeben. Seine Wahl fiel auf die Mezzosopranistin Emily D'Angelo. „Ich erkenne einen Star, wenn ich einen sehe“, sagte er über die junge Sängerin. „Sie sind eine makellose Performerin, eine makellose Sängerin, und ich bin so stolz, Ihnen diesen Preis überreichen zu dürfen.“

Die Ehrung fand in Toronto statt, einer Stadt, die Elton John besonders am Herzen liegt. Sein Ehemann David Furnish stammt aus Kanada, und die Familie verbringt regelmäßig Zeit dort. „Ich habe hier eine Familie. Davids Familie, die Familie meines Mannes, ist meine Familie. Sie leben in Toronto. Sie sind Teil meines Lebens, Teil meiner Seele. Meine Kinder lieben es hier so sehr. Sie lieben ihre Cousins und ihre Familie hier. Es ist ein Teil meines Lebens. Ich bin Kanadier“, sagte er und erntete tosenden Applaus.

Politische Töne in der Dankesrede

In seiner sechsminütigen Rede nutzte Elton John die Bühne auch für politische Aussagen. Mit Blick auf die politische Lage in den USA unter Präsident Donald Trump sagte er: „Es ist so schön, in Kanada zu sein und ein Konzert für kanadische Künstler zu erleben, die ich alle kenne. Es ist auch schön, in einem Land zu sein, das Vernunft walten lässt.“

Besonders deutlich wurde er, als er sich direkt gegen Trumps wiederholte Äußerungen wandte, Kanada könne der 51. Bundesstaat der USA werden. „Und ich kann euch sagen: Es ist verdammt nochmal auch nicht der 51. Bundesstaat“, rief er ins Publikum, das daraufhin minutenlang jubelte. „Es ist ein Land, das Einwanderer aufgenommen hat und sie nicht hinauswirft. Es ist ein Land, das alle Menschen, alle Hautfarben willkommen heißt, und ich liebe es – und ich kann Kanada nicht genug dafür danken, was es für mich getan hat.“

Die Verbindung zu Kanada ist für Elton John nicht nur emotional, sondern auch musikalisch. Viele seiner größten Hits wurden in kanadischen Studios aufgenommen, und er hat unzählige Konzerte in dem Land gegeben. Sein letzter großer Auftritt in Nordamerika fand im Rahmen der Farewell Yellow Brick Road Tour statt, die 2023 nach über 330 Shows endete. Seither hat er sich weitgehend aus dem Tourneeleben zurückgezogen, bleibt aber kreativ aktiv.

Ein überraschendes Finale

Nach seiner Rede sorgte Elton John für eine weitere Überraschung: Er stand von seinem Stuhl auf der Bühne auf und schloss sich den kanadischen Künstlern an, die er persönlich für den Abend ausgewählt hatte. Gemeinsam spielten sie eine bewegende Version von „Goodbye Yellow Brick Road“ – ein Song, der wie kaum ein anderer mit seiner Karriere verbunden ist.

Die Wahl des Liedes war symbolträchtig. „Goodbye Yellow Brick Road“ war 1973 der Titelsong seines bis heute erfolgreichsten Albums und gilt als eine Hymne an die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben. Für Elton John, der nach jahrzehntelangem Touren nun eine ruhigere Phase einläutet, bekam der Song an diesem Abend eine neue Bedeutung.

Elton John hat in den vergangenen 15 Monaten eine immense Herausforderung bewältigt. Die Augeninfektion, die er sich 2024 zuzog, ließ ihn monatelang praktisch ohne Sehkraft. „Es war verheerend“, sagte er. „Weil ich mein rechtes Auge verloren habe und mein linkes auch nicht mehr so gut ist, waren die vergangenen 15 Monate eine enorme Herausforderung.“ Dass er dennoch ein komplettes Album aufnehmen konnte, zeugt von seiner außergewöhnlichen Resilienz und Kreativität.

Ein Blick auf die Schaffensgeschichte

Elton Johns Karriere begann Ende der 1960er Jahre, als er mit dem Texter Bernie Taupin zusammenarbeitete. Das Duo schrieb unzählige Hits wie „Your Song“, „Rocket Man“, „Tiny Dancer“ und „Candle in the Wind“. Taupins Texte waren stets die Grundlage, zu denen Elton John die Melodien komponierte. Diese Arbeitsweise behielt er mehr als fünf Jahrzehnte bei – bis ihn seine Augenerkrankung zwang, umzudenken.

„Wenn ich keine Musik mache, bin ich tot“, sagte er dem Publikum in Toronto. „Wenn ich keine Musik höre, bin ich tot. Musik ist meine Seele, meine treibende Kraft. Sie ist alles und war mein ganzes Leben lang alles für mich.“ Diese Leidenschaft spiegelt sich in seinem neuen Album wider, das zwar noch keinen Titel hat, aber bereits fertiggestellt ist.

Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte Elton John gemeinsam mit Belinda Carlisle das Kollaborationsalbum „Who Believes in Angels?“. Doch das kommende Soloalbum ist sein eigenständigstes Werk seit Jahren. Er beschreibt es als „so glücklich“ – ein Adjektiv, das in seinem bisherigen Werk eher selten vorkommt. Seine Musik war oft von Melancholie, Dramatik und großen Gesten geprägt. Ein „glückliches“ Album könnte eine neue Facette seines Schaffens zeigen.

Die Fans dürfen gespannt sein, wann die erste Single erscheint. Bislang gibt es noch kein Veröffentlichungsdatum. Fest steht nur: Elton John ist noch lange nicht am Ende seiner kreativen Reise. Er hat einen Weg gefunden, mit seiner Behinderung umzugehen, und daraus etwas völlig Neues geschaffen. „Es ist so anders als alles, was ich je gemacht habe“, sagte er – und das will bei einem Künstler, der in sechs Jahrzehnten Musikgeschichte geschrieben hat, etwas heißen.

Die Gala in Toronto endete mit Standing Ovations für den Sänger, der trotz seiner gesundheitlichen Probleme eine beeindruckende Show ablieferte. Seine Rede wurde in den sozialen Medien vielfach geteilt, besonders seine klaren Worte gegen Trump und seine Liebeserklärung an Kanada fanden großen Anklang. Elton John hat einmal mehr bewiesen, dass er nicht nur ein Ausnahmemusiker, sondern auch eine Stimme der Vernunft und Menschlichkeit ist.


Source: MSN News


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