Wien, 21. Mai 2026 – Es ist eine Nachricht, die Brasilien und die Fußballwelt aufschrecken lässt: Neymar Jr., der Superstar des FC Santos und Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft, hat sich im Training eine Wadenverletzung zugezogen. Die Verletzung ereignete sich während einer Übungseinheit, und obwohl erste Untersuchungen ergaben, dass der Rückschlag nicht schwerwiegend sei, wächst die Sorge um die Einsatzfähigkeit des 34-jährigen Ausnahmekönners bei der bevorstehenden FIFA WM 2026.
Neymar war erst vor wenigen Tagen von Nationaltrainer Carlo Ancelotti in den endgültigen WM-Kader berufen worden. Die Nominierung war eine Überraschung, denn Neymar hatte zuvor eine lange Verletzungspause hinter sich. In den letzten Jahren plagten ihn immer wieder körperliche Probleme – von Knöchelverletzungen über Oberschenkelzerrungen bis hin zu Problemen im Rücken. Jede dieser Verletzungen führte zu monatelangen Ausfällen, und viele Experten bezweifelten, dass Neymar noch einmal an seine absolute Topform anknüpfen könnte. Dennoch vertraute Ancelotti auf die Klasse und Erfahrung des Santos-Kapitäns.
Doch die neuerliche Wadenverletzung nährt die Kritik. Im brasilianischen Fußballverband und in den Medien fragen sich viele, ob die Entscheidung für Neymar klug war. Der Druck auf den Spieler ist enorm, denn er soll das Team nicht nur als Führungsspieler, sondern auch als Unterschiedsspieler auf dem Platz prägen. Doch wenn er nicht fit ist, wird seine Anwesenheit im Kader zur Belastung. „Neymar ist ein Genie, aber er muss gesund sein“, kommentierte ein ehemaliger Nationalspieler. „Wenn er nur zu 70 Prozent fit ist, bringt er dem Team nicht das, was es braucht.“
Die brasilianische Nationalmannschaft reist mit großen Ambitionen zur WM. Brasilien ist Rekordweltmeister mit fünf Titeln, doch der letzte Sieg liegt 24 Jahre zurück (2002). Seitdem gab es enttäuschende Ergebnisse: Viertelfinal-Aus 2006, 2010, 2018 und 2022, sowie das historische 1:7 im Halbfinale 2014 gegen Deutschland. Nun soll unter Ancelotti der sechste Stern her. Der Italiener setzt auf eine Mischung aus erfahrenen Stars und jungen Talenten. Neben Neymar stehen auch Spieler wie Vinícius Jr., Rodrygo, und der aufstrebende Stürmer Endrick im Kader. Doch ohne einen fitten Neymar würde die Offensive an Durchschlagskraft verlieren.
Neymars Karriere ist geprägt von Höhen und Tiefen. Er begann seine Profikarriere beim FC Santos, wechselte 2013 für eine Rekordsumme zum FC Barcelona, wo er an der Seite von Lionel Messi und Luis Suárez spielte und die Champions League gewann. 2017 folgte der millionenschwere Wechsel zu Paris Saint-Germain. Dort gewann er zahlreiche nationale Titel, aber die ersehnte Champions-League-Trophäe blieb ihm verwehrt. 2023 kehrte er nach Santos zurück, um seine Karriere in der Heimat ausklingen zu lassen. In der brasilianischen Nationalmannschaft ist er mit 79 Toren in 128 Einsätzen der zweitbeste Torschütze aller Zeiten hinter Pelé (77 Tore – umstritten, aber offiziell). Sein Einfluss auf das Spiel ist unbestritten, doch seine Anfälligkeit für Verletzungen wirft immer wieder Fragen auf.
Die aktuelle Verletzung kam für viele überraschend, denn erst vor wenigen Wochen hatte Neymar in einem Interview betont, dass er sich fit und bereit für die WM fühle. „Ich habe hart gearbeitet, um diesen Moment zu erleben. Ich will Brasilien zum Titel führen“, sagte er. Doch das Training am Mittwochmorgen im Trainingszentrum Granja Comary in Teresópolis brachte den Rückschlag. Nach einem Sprint soll Neymar plötzlich aufgestöhnt haben und musste behandelt werden. Die medizinische Abteilung der Seleção bestätigte eine leichte Zerrung in der Wade, betonte aber, dass eine vollständige Genesung innerhalb von ein bis zwei Wochen möglich sei. Die WM beginnt in rund drei Wochen, also bleibt theoretisch Zeit. Aber die Frage ist, ob Neymar dann sofort wieder voll belastbar ist oder ob die Verletzung nachlässt.
Die brasilianische Presse ist gespalten. Während einige Blätter betonen, dass Ancelotti auf seinen Kapitän setzt und ihm das Vertrauen schenkt, fordern andere eine Streichung aus dem Kader und die Nominierung eines Ersatzspielers. Der Kader ist zwar bereits endgültig, aber nach den FIFA-Regeln können Verletzungen bis 24 Stunden vor dem ersten Spiel nachgemeldet werden. Sollte Neymar nicht rechtzeitig fit werden, könnte der Brasilianische Fußballverband (CBF) einen anderen Spieler nachnominieren. Im Gespräch sind Stürmer wie Gabriel Jesus (Arsenal) oder Richarlison (Tottenham), die beide gute Leistungen gezeigt haben, aber nicht die gleiche individuelle Klasse wie Neymar besitzen.
Trainer Ancelotti zeigte sich in einer ersten Stellungnahme optimistisch: „Wir werden Neymar nicht überstürzen. Die medizinische Abteilung wird alles tun, um ihn fit zu bekommen. Wir haben einen Plan. Er ist ein wichtiger Teil unseres Teams, und ich bin überzeugt, dass er rechtzeitig bereit sein wird.“ Doch viele Fans erinnern sich an die WM 2022, als Neymar ebenfalls mit einer Knöchelverletzung angereist war und im Viertelfinale gegen Kroatien zwar ein Tor erzielte, aber nach dem Elfmeterschießen ausschied. Die Verletzung hatte ihn zuvor eingeschränkt.
Die Situation wird zusätzlich dadurch erschwert, dass Neymar in den vergangenen Jahren immer wieder mit kleineren Wehwehchen zu kämpfen hatte. Kritiker werfen ihm vor, dass er sich nicht ausreichend schone oder dass sein Spielstil – viele Dribblings, enge Ballführung und häufige Fouls – ihn anfälliger mache. Tatsächlich ist Neymar der am häufigsten gefoulte Spieler in der Geschichte der Champions League. Seine Gegenspieler wissen, dass sie ihn nur durch taktische Fouls stoppen können. Das führt zu ständigen Belastungen für seinen Körper.
Neben den gesundheitlichen Problemen gibt es auch Diskussionen über die mentale Belastung. Neymar ist seit Jahren der unangefochtene Star der Seleção, aber auch ein Medienliebling und -opfer zugleich. Jeder Schritt wird verfolgt, jede Aussage kommentiert. Die Erwartungen an ihn sind riesig – vielleicht zu riesig. In Brasilien wird er mit Pelé und Ronaldo verglichen, und viele sehen in ihm den einzigen Spieler, der die Mannschaft zu einem Titel führen kann. Dieser Druck könnte die Verletzungsanfälligkeit noch verstärken.
Unterdessen bereitet sich der Rest des brasilianischen Kaders auf die WM vor. Die Mannschaft hat ein Trainingslager in Österreich bezogen, um sich an die europäischen Bedingungen zu gewöhnen. Die Vorbereitungsspiele gegen Ghana und Kamerun stehen an, und es wird erwartet, dass Ancelotti in diesen Partien erste Eindrücke sammelt, insbesondere von Spielern, die Neymar ersetzen könnten. Vinícius Jr. hat eine herausragende Saison bei Real Madrid gespielt und könnte auf der linken Seite die Rolle des kreativen Anführers übernehmen. Auch Rodrygo, der bei Real Madrid als hängende Spitze groß aufspielte, bietet Optionen.
Die WM 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt. Brasilien ist in Gruppe F gemeinsam mit Kroatien, Kamerun und Japan gesetzt. Das erste Spiel gegen Kroatien ist für den 14. Juni in Los Angeles geplant. Es wäre das dritte Aufeinandertreffen der beiden Teams bei einer WM nach 2014 (3:1 für Brasilien) und 2022 (1:1, Kroatien im Elfmeterschießen). Ein Rematch, auf das sich viele freuen – und bei dem Brasiliens Siegchancen ohne einen fitten Neymar deutlich sinken würden.
Die kommenden Tage werden zeigen, wie schwer die Verletzung wirklich ist. Neymar selbst hat auf seinem Instagram-Kanal ein Foto mit einer Eistherapie gepostet und dazu geschrieben: „Es wird alles gut. Glaube daran.“ Die Fans hoffen, dass er rechtzeitig zurückkehrt. Die Kritiker warten ab. Und Ancelotti hält an seinem Plan fest: Neymar ist der Kapitän, Neymar wird spielen – wenn er gesund ist. Ob er es sein wird, bleibt die große Frage vor der WM 2026.
Source: Laola1 News