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Adele Neuhauser als rachsüchtige Mutter

May 18, 2026  Twila Rosenbaum  5 views
Adele Neuhauser als rachsüchtige Mutter

Adele Neuhauser kehrt mit einer ungewöhnlichen Rolle auf den Bildschirm zurück. In der ZDF-Produktion „Mama ist die Best(i)e“ spielt die 67-jährige Österreicherin Gloria, eine ehemalige Unternehmergattin, die nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Die Serie, die als Zweiteiler konzipiert ist, zeigt eine Frau, die zunächst als überdrehte, abgehobene Society-Lady auftritt – mit einer Portion Arroganz und Selbstbezogenheit, die ihr im Gefängnis schnell zum Verhängnis wird. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine tiefe Verletzlichkeit, die im Laufe der Handlung zutage tritt.

Der Titel „Mama ist die Best(i)e“ ist programmatisch: Es geht um die Abgründe einer Familie, die von Lügen, Eifersucht und alten Verfehlungen geprägt ist. Gloria, die ihren Mann, einen Champagner-Unternehmer, vielleicht auf dem Gewissen hat, wird an dessen Todestag aus der Haft entlassen. Auf der einen Seite schwört sie, den wahren Mörder ihres Mannes zu finden – auf der anderen Seite ist ihr das Unglück der anderen willkommen. Ihre Rachepläne richten sich gegen alle, die sie im Stich gelassen haben: die Kinder, den Lover, die beste Freundin. Doch mit der Zeit wird klar, dass Gloria nicht nur eine Rachegöttin, sondern auch eine zutiefst verletzte Frau ist. Die Produktion, die von Uli Brée geschrieben wurde, nutzt die Komödie als Medium, um die Absurdität der menschlichen Existenz und die Verletzlichkeit hinter den Fassaden zu zeigen.

Neuhausers Wandlung von der Diva zur geerdeten Kämpferin

Adele Neuhauser ist vielen Zuschauern als TV-Kommissarin Bibi Fellner aus der Krimireihe „Tatort“ bekannt. Doch in „Mama ist die Best(i)e“ zeigt sie eine ganz andere Seite. „Es hat mir tierischen Spaß gemacht, sie in dieser Oberflächlichkeit und weltfremden, selbstsüchtigen Manie zu zeichnen“, sagte die Schauspielerin der Deutschen Presse-Agentur. „Und dann die Verwandlung nach zehn Jahren: Was ist da passiert, wie hat sie sich verändert, was hat sie gelernt?“ Diese Verwandlung ist der Kern der Handlung. Gloria, die anfangs noch in ihrem alten Leben aus Luxus und Arroganz verharrt, muss erkennen, dass diese Fassade nicht mehr trägt. Im Gefängnis lernt sie, ihre sozialen Kontakte zu nutzen, um Freundinnen zu gewinnen, die ihr schließlich bei der Suche nach dem wahren Mörder helfen.

Die Serie spielt mit dem Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In Rückblenden wird gezeigt, wie Gloria vor ihrer Inhaftierung als unnahbare Diva durch die Society-Welt stolzierte. Die Verwandlung ist nicht nur äußerlich – sie beginnt, ihre eigenen Fehler zu reflektieren. „Dass sie dieses Übertriebene, dieses Selbstverliebte ablegen musste, hat sie vielleicht mehr geerdet und mehr zu sich selbst gebracht“, erklärte Neuhauser. Dieser Prozess des Erdenden ist für die Figur schmerzhaft, aber auch befreiend. Die Zuschauer erleben eine Frau, die durch das Gefängnis zu sich selbst findet, ohne jedoch ihre Bissigkeit und ihren Humor zu verlieren.

Eine Tragikomödie über Familienbande und Rache

Der Zweiteiler verbindet Elemente der Tragödie mit jener der Komödie. Das zeigt sich besonders in den Dialogen, die häufig Wortgefechte zwischen den Familienmitgliedern enthalten. Als Gloria nach zehn Jahren Haft in ihr Anwesen zurückkehrt, steht auf ihrem Platz beim Abendessen die Urne mit der Asche ihres Mannes. Sie kommentiert dies lapidar mit „Also dann, ab in die Hölle!“ – ein Satz, der sowohl die Abgründe der Familie als auch die bittere Ironie der Situation verdeutlicht. Ein anderer Dialog, den Neuhauser in einem Interview zitierte, zeigt die Dysfunktionalität der Ehe: Gloria hatte einmal in einer verbitterten Phase ihren Mann gefragt, warum sie sich nicht einfach scheiden ließen. Seine Antwort: „Dann hätte das Leiden ja ein Ende. Wer will das schon?!“ Solche Dialoge machen deutlich, dass die Serie nicht nur unterhält, sondern auch die toxischen Dynamiken in Familien offenlegt.

Neben der Hauptfigur Gloria sind auch die Nebenfiguren stark ausgeprägt. Die Schauspielerin betonte, dass man besonders auf die Freundin von Glorias Sohn achten sollte – eine Figur, die zwischen Loyalität und Eigeninteresse hin- und hergerissen ist. Auch die Enkelin spielt eine wichtige Rolle: Sie verweigert sich der Lügengeschichte der Erwachsenen und stellt sich damit quer. Der Zweiteiler lebt von starken Frauenfiguren, die auf ihre eigene Art kämpfen. Dazu gehören Elena Uhlig, Manuel Rubey, Stefanie Stappenbeck, Lara Mandoki, Aglaia Szyszkowitz und Roland Koch. Die Stimmung am Set, so Neuhauser, sei „wunderschön“ gewesen – vor allem, weil man sich zum größten Teil kenne und schätze. „Komödie macht ja immer Laune, wir hatten herrlichstes Wetter, und wir hatten wunderschöne Motive. Es war durch die Bank eigentlich ein großes Vergnügen.“

Debatt: Die gesellschaftlichen Implikationen der Serie

Der Zweiteiler greift Themen auf, die weit über die fiktive Handlung hinausweisen: die Zerstörungskraft von Geld und Macht, die Einsamkeit in privilegierten Kreisen und die Möglichkeit, selbst durch tiefste Krisen zu wachsen. „Gerade durch eine so negativ belastete Gesellschaft, in der wir uns da anfänglich bewegen, lernen wir auch ein bisschen was“, sagte Neuhauser. Sie sieht in der Serie eine Parabel auf die Realität: „Dass sich dieses Selbstbezogene, dieses Abgehobene, das Geld, die Macht über andere und Skrupellosigkeit irgendwann mal in einem Zusammenbruch eines Kartenhauses auflösen. Das finde ich sehr vergnüglich und beruhigend.“ Diese Einsicht ist es vielleicht, die den Zweiteiler über das reine Unterhaltungsfernsehen hinaushebt.

Die Serie wird am 18. Mai ab 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt, der Stream startet bereits am 10. Mai. Der zweite Teil der Reihe, der direkt im Anschluss gezeigt wird, bringt noch mehr Leichen und Wendungen mit sich. Wer alles sehen möchte, braucht etwa drei Stunden Zeit. Neuhauser ist optimistisch, dass das Publikum diese Länge schätzt: „Ich glaube, man kann das dem Publikum zutrauen. Durch verschiedene Zeitebenen wird es kurzweilig.“ Diese Zeitebenen – die Verwendung von Rückblenden und die parallele Erzählung von Vergangenheit und Gegenwart – sorgen für eine dynamische Erzählweise, die die Zuschauer fesseln soll.

Der Zweiteiler ist nicht nur eine Familienchronik, sondern auch eine Hommage an die Kraft der Vergebung und das Eingestehen eigener Fehler. Gloria muss sich mit ihren eigenen Kindern, ihrer Familie und ihren falschen Freundschaften auseinandersetzen. Dabei geht es um Rache ebenso wie um Versöhnung, um Verletzlichkeit ebenso wie um Verzeihenkönnen. Die Serie lässt die Zuschauer am Abgründen menschlicher Beziehungen teilhaben, ohne ihnen die Hoffnung auf eine positive Wendung zu nehmen. Die Übertreibungen, die im Genre Komödie erlaubt sind, machen den Stoff zugänglich und oft sogar lustig – und gleichzeitig bleibt er tiefgründig. Die Kombination aus bissigem Humor und emotionaler Tiefe ist das, was „Mama ist die Best(i)e“ auszeichnet.

Für Adele Neuhauser ist diese Rolle eine Bereicherung ihrer Karriere. Die Schauspielerin, die 1957 in Wien geboren wurde, hat in ihrer langen Laufbahn vielfältige Figuren gespielt – von der Polizistin über die Anwältin bis zur Kommissarin. Ihre Darstellung der Gloria zeigt, dass sie auch in komödiantischen Rollen zu überzeugen weiß. Die Serie ist ein weiterer Beleg für ihre Wandlungsfähigkeit. Gleichzeitig bleibt sie dem Wiener Flair treu: Die Dreharbeiten fanden in Wien und Umgebung statt, das Ambiente der österreichischen Hauptstadt trägt zur Authentizität der Geschichte bei. Der Mix aus Lokalkolorit und universellen Themen macht den Zweiteiler zu einem Fernsehereignis, das sich sowohl an ein heimisches als auch an ein internationales Publikum richtet.

Die Produktion von „Mama ist die Best(i)e“ fällt in eine Zeit, in der das ZDF verstärkt auf hochwertige, fiktionale Unterhaltung setzt. Die Serie verbindet Elemente des Krimis mit jenen einer Psycho-Studie. Der Zuschauer wird Zeuge, wie eine Frau sich aus den Fesseln ihrer Vergangenheit befreit, auch wenn der Weg dorthin schmerzhaft ist. Die Geschichte ist gespickt mit Wendungen, die bis zur letzten Minute überraschen. Ohne zu viel zu verraten, lässt sich sagen: Der erste Teil endet mit einem Cliffhanger, der die Spannung für den zweiten Teil erhöht. Das narrative Geschick von Autor Uli Brée, der die deutschen Drehbuchpreise bereits gewonnen hat, zeigt sich in der feinen Zeichnung der Figuren und der Dialoge.

Die Musikuntermalung, die eigens für den Zweiteiler komponiert wurde, unterstreicht die Stimmung der Szenen: Mal düster und bedrohlich, mal melancholisch und sehnsüchtig. Die Kameraarbeit zeichnet sich durch detailreiche Aufnahmen der Schauplätze aus – von Glorias pompösem Anwesen bis zu den kargen Zellen des Gefängnisses. Diese visuelle Vielfalt trägt dazu bei, die unterschiedlichen Lebenswelten der Figur erfahrbar zu machen. Die Inszenierung von Regisseur Holger Haase, der bereits für Komödien und Dramen bekannt ist, wahrt eine Balance zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Gerade diese Balance wird dem Zweiteiler wohl einen Platz in der Zuschauergunst sichern.

Erwähnenswert ist auch die Nebenhandlung um Glorias Enkelin, die für einen Perspektivwechsel sorgt. Die Jugendliche dringt auf Ehrlichkeit und lehnt die Heuchelei der Erwachsenen ab. Ihre Figur repräsentiert eine Generation, die sich nicht mit den Lügen ihrer Vorfahren abfinden will. Diese Spannung zwischen den Generationen ist ein weiteres Thema, das die Serie berührt. Sie zeigt, dass Rache und Vergebung nicht nur persönliche, sondern auch familiengeschichtliche Dimensionen haben. Die Inszenierung dieser Konflikte ist mit viel Liebe zum Detail umgesetzt.

Insgesamt ist „Mama ist die Best(i)e“ eine Produktion, die sowohl auf spannende Unterhaltung als auch auf nachdenkliche Momente setzt. Adele Neuhausers Darstellung der Gloria ist das Herzstück: Sie verleiht der Figur Tiefe, Witz und eine gewisse Tragik, die man selten im deutschen Fernsehen sieht. Der Zweiteiler ist ein Beispiel dafür, wie Komödie und Drama sich nicht ausschließen, sondern ergänzen können. Die Zuschauer können gespannt sein, wie Glorias Reise enden wird – und ob sie am Ende den wahren Mörder findet oder selbst zur Mörderin wird.


Source: FAZ.NET News


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